Und ich habe wahnsinnig viel zu erzählen! Am Sonntag letzte Woche, also am Ostersonntag, um 04.30 Uhr am Morgen machten wir uns auf den langen Weg nach Melbourne. Es war eine lange Reise, 11h Autofahrt, etwa 1100 km durch das Australische Outback. Mein Gastvater wollte die Reise so schnell wie möglich hinter sich bringen, deshalb wurden die WC Pausen auf ein Minimum reduziert :) Wir kamen dann am Nachmittag endlich in Melbourne an. Das Wetter war schön und es war überraschend warm, was mir natürlich sehr gelegen kam. Der Grund, weshalb wir nach Melbourne gingen, war der Event "Crusty Demons Night of World Records", welcher am Samstag, 29.3.08 stattfand (www.crusty.com). Mein jüngerer Gastbruder Tyrone fährt ja Motorrad Freestyle und hält drei Weltrekorde; diese drei Weltrekorde hat er sich in Amerika geholt, als er 12 Jahre alt war, also vor zwei Jahren. Durch Tyrone und diesen Amerika Trip hat meine Gastfamilie den Weltrekordhalter im Motorrad Distance Jumping Ryan Capes und dessen Familie kennengelernt und sie sind alle gute Freunde geworden. Ryan Capes wurde dann ans Crusty Demons eingeladen, um einen neuen Weltrekord zu versuchen, indem er gegen zwei weitere Weltrekordhalter antrat. Ryan Capes war die erste Person auf der ganzen Welt, der über 300ft mit einem Motorrad gesprungen ist! Sein Weltrekord wurde aber dann von Robbie Maddison, einem Australier, gebrochen; dieser legte eine Distanz von 322ft hinter sich (etwa 100m, ein ganzes Football Feld!!!) Nun ging es darum, diesen Rekord wieder zu brechen. Aus diesem Grund wurde dann auch meine Gastfamilie und ich eingeladen und deshalb gingen wir nach Melbourne. Ryan Capes nahm seinen Mechaniker, seine Frau, seinen Sohn und die halbe Verwandtschaft seiner Frau mit nach Melbourne, wo sie am Montag dann ankamen. Wir wohnten alle im selben Hotel, gerade neben der Formel 1 Rennstrecke, was sehr gut war. In demselben Hotel wohnten auch alle anderen Crusty Riders und Stars und Moderatoren, was ziemlich cool war :) Wir lernten also all diese Amerikaner kennen, was äusserst interessant und amüsant war :) In dieser ganzen Gruppe hatte es drei Jungs in meinem Alter (18, 18 und 20 Jahre alt) und zwei Jungs im Alter von 14 Jahren, die zur Verwandtschaft der Ehefrau gehörten (es ist wahnsinnig kompliziert, deshalb versuche ich es gar nicht erst, zu erklären). Da der Event am Samstag Abend stattfand, hatte Ryan die ganze Woche Zeit, sich an die Rampen zu gewöhnen, sich auf seinen Sprung vorzubereiten und Interviews zu geben (Ryan auf der Landung während einem Interview).
Und das hiess dann, dass die ganze Gruppe meistens mit zur Strecke ging und ihm dabei half oder zuschaute. Wir konnten dadurch auch allen anderen Stars beim Üben zuschauen, was sehr interessant war.
Deshalb hatten wir leider nicht gross Zeit, uns Melbourne anzuschauen. Ich sah aber dafür ganz viele andere Sachen, die ich sonst nie gesehen hätte. Vor mir tat sich eine ganz neue Welt auf, die ich vorher noch nie gesehen habe. Sozusagen das Motorrad Sport Business mit allen Stars, Medien, Events, Geld und Skandalen. Ausserdem wurde mir auch die amerikanische Mentalität um einiges näher gebracht. Aber dazu komme ich später. Ryan Capes mietete einen kleinen Bus, mit welchem wir dann jeden Tag vom Hotel zu dem Rampen und wieder zurück fahren konnten. Am Dienstag gingen wir dann zum ersten Mal zum Eventgelände. Die drei Jungs in meinem Alter stellten aber dann fest, dass das "legal drinking age" in Australien 18 ist, nicht so wie in Amerika 21, und die drehten durch!
Am Dienstag tranken die drei so viel, ich habe mir meinen Augen nicht getraut!! Unglaublich... Wir nahmen dann also die ganze Verwandtschaft mit den drei betrunkenen Jungs mit zum Gelände und schauten uns die Rampen an. Es war riesig! In den folgenden Tagen fuhren wir immer wieder dorthin. Doch vom Mittwoch an wurde es unglaublich kalt, so dass ich mir sogar noch eine zusätzliche Jacke kaufen musste. Wir hatten eigentlich wirklich eine gute Zeit miteinander, doch je besser wir die Amerikaner kennenlernten, desto mehr viel uns auf, wie anpassungsunfähig und frech und dumm dieses Volk ist! Alles, das nicht so war wie in Amerika, wurde automatisch fertig gemacht und war schlecht, es wurde über die Portionengrössen gemotzt (angeblich seien die Portionen in Amerika VIIIIEL grösser als in Australien, aber ausgegessen wurde trotzdem nie) und vieles mehr. Die wussten nicht einmal, dass die Schweiz ein Land ist!!!!! Ach du meine Güte... Es passierten wirklich einige Zwischenfälle in diesen Tagen, die nicht wirklich lustig waren. Da waren wir zum Beispiel einmal alle auf dem Gelände, es war unglaublich kalt und schon spät und dunkel. Da der Event am Abend stattfand, wollte Ryan im Dunkeln seine Sprünge üben, damit alles gut geht. Es war also etwa 22.30 Uhr und wir wollten alle nach Hause gehen, doch dann konnten wir den Bus nicht mehr starten. Es stellte sich dann heraus, dass Ryans Ehefrau anstatt Diesel Bleifrei getankt hat! Ich und meine Gastfamilie mussten dann den ganzen Tank ausleeren und wieder mit Diesel auffüllen und all die anderen gingen dann in der Zwischenzeit mit einem anderen Bus zurück zum Hotel, ohne uns zu helfen! Unglaublich... Aber im Grossen und Ganzen hatten wir wirklich viel Spass miteinander und kamen gut miteinander aus. Am Samstag war dann der grosse Tag. Wir fuhren zum Gelände und bekamen alle einen VIP Pass, der uns erlaubte, in der VIP Zone zu sein, von wo man den Besten Blick auf das Ganze hatte! WOW!!!! Ich, meine Gastmutter Rebekah und Tyrone am Nachmittag vor Showbeginn auf dem Eventgelände:
Ryan gibt Autogramme
Um 17:00 Uhr begann dann die Show und dauerte bis 22.30. Es war unglaublich kalt, aber zum Glück regnete es nicht. Es hatte 30'000 Zuschauer dort! Das war UNGLAUBLICH!!!
Ich war so froh dass wir diese VIP Tickets hatten und nicht in dieser Menschenmenge stehen mussten :) Ich, Morgan und Cameron (einer der 14-jährigen Amis) im VIP Bereich:
Die ganze Show war voller Nervenkitzel und alles war so aufregend! Überall diese Kameras, Security, die "Stars", die Sprünge, die Menschenmasse und der Lärm, Werbung, Geld, Drogen und Alkohol und andere Deals... Es war unglaublich. Es war sehr gut, dass ich eine Woche lang hiter die Kulissen eines solchen Riesenevents sehen konnte und ich lernte so einiges, was ich sonst nie mitbekommen hätte. Mir fehlen immer noch die Worte, es war einfach unbeschreiblich. Ganz am Schluss des Abends war es dann so weit und es ging um den Weltrekord im Distance Jumping. Ryan Capes sprang zuerst und brach den alten Weltrekord, er sprang 335ft (ich bin mir nicht ganz sicher). Ryan nach seinem Sprung:
Nach ihm sprang dann Robbie Maddison, und dieser brach den neuen Weltrekord noch einmal! Er sprang 351ft!!! Robbie Maddisons Weltrekord Sprung:
Die Spannung, die in der Luft war als er sprang, ist unbeschreiblich! Die Zuschauer hatten natürlich grosse Freude, dass sich der Australier den neuen Weltrekord geholt hatte. Glücklicherweise wurde bei all den Sprüngen niemand verletzt. Denn die ganze Sache ist nicht wirklich ungefährlich! Zu viel Wind, zu viel Geschwindigkeit oder eine kleine Unebenheit auf der Landung kann zu einem ganz bitteren Ende führen... Zum Glück ist nichts passiert. Nach der Show gingen wir alle zurück zu den Garagen im VIP Bereich und feierten, bis wir dann wieder zurück ins Hotel gingen, wo wir etwa um 01.30 ankamen. Wow, was für ein Erlebnis... Ich wurde dann vom Crusty Demons Mechaniker und dem Photographen eingeladen, mit ihnen auszugehen, aber meine Gasteltern erlaubten es mir nicht, was am Ende sehr gut war, denn ich wäre wahrscheinlich gar nicht mehr nach Hause gekommen (so wie zwei der amerikanischen Jungs in meinem Alter, der eine erwachte am Morgen auf dem Eventgelände und wusste nicht wie er von der Stadt dorthin gekommen war). Gestern hatten wir dann den letzten Tag in Melbourne und machten eigentlich nicht mehr viel, denn heute Morgen fuhren wir dann schon wieder um 04.30 Uhr los, um zurück nach Newcastle zu kommen, also mussten wir uns dann von den Amerikanern verabschieden. Das war auf jeden Fall ein sehr interessantes Zusammentreffen, welches mir in einigen Dingen die Augen geöffnet hat. In dieser Woche in Melbourne bin ich meiner Gastfamilie irgendwie noch viel näher gekommen. Ich habe die ganze Woche ein Zimmer mit meinen beiden Gastbrüdern geteilt, was sehr viel Spass gemacht hat. Wir hatten die wildesten Kissenschlachten und Gespräche bis spät in die Nacht hinein, was ich sehr genoss. Ausserdem fühlte ich mich plötzlich als Australierin, vor Allem wenn wir mit den Amerikanern zusammen waren. Diese dachten selber, dass ich Australierin bin, weil ich angeblich jetzt tatsächlich den australischen Akzent habe. (Und das macht mich sehr stolz :)). Und das ist eine ganz schöne Erfahrung und ein sehr gutes Gefühl.Ja, heute fuhren wir dann den ganzen Weg wieder zurück nach Newcastle. Es war schön, wieder nach Hause zu kommen (vor Allem auch wieder in die Wärme zu kommen, hier ist es immer noch schön heiss), aber trotzdem gehe ich nie gerne von einem Ort fort, wo ich eine Weile verbracht habe... Der Hund und die Katze waren ganz aufgeregt als wir wieder zurück kamen :) aaaah... Schön. Morgen gehts nun wieder zurück in die Schule :)
Alles Liebe
Olivia

































